Buchtip: Sucht Frei von Jan Geurtz

„Sucht Frei“ ist ein ganz wunderbares Buch über das Thema Sucht und die Möglichkeiten sich von ihr zu befreien. Es ist keines dieser Bücher, die darauf abzielen Willenskraft zu mobilisieren oder mit Affirmationen zu arbeiten um sich selbst gesundzubeten. Es ist ein Buch, das eine Ebene tiefer ansetzt als die meisten anderen zu diesem Thema. Dabei wird der Suchtbegriff verallgemeinert. Der Verfasser zeigt ziemich konsequent auf „daß auf einer tieferen Ebene wenig Unterschied besteht zwischen einem Heroinabhängigen und jemandem, der jeden Abend stundenlang zwanghaft Computerspiele spielen muss.“
Geurtz geht davon aus, dass die Ursache von Abhängigkeiten und Süchten in einem negativen Glauben an uns selbst liegt. Dieser negative Glaube hat seine Basis in der frühen Kindheit. Babys kennen noch keine Identität und das Gehirn befindet sich in einem Entwicklungsprozeß, in dem es äußerst prägbar ist. Und dann entsteht im Alter zwischen ein und zwei Jahren das Selbstbewusstsein. Und dieses Selbstbewusstsein wird als Abweisung erfahren. „Der Schmerz ist unerträglich. Was für eine Scham, was für eine Schande, es ist ganz und gar nicht gut, was du tust! Es tut weh! Warum? Du enttäuschst deinen allerliebsten Vater und deine allerliebste Mutter, du bist dumm, du bist wertlos, du bist schlecht, du bist nicht genug.“ Dieser negative Glaube erzeugt Gefühle, die du nie wieder spüren willst. Und in gewissem Sinn ist diese negative Identität, die wir alle in mehr oder weniger schwerer Ausprägung mit uns herumtragen die Ursache von Süchten. Süchte werden dazu benutzt diese Gefühle nicht mehr zu fühlen. Unsere ganze Identität ist auf dem Irrtum aufgebaut, dass wir nicht gut sind. Dies ist für Geurtz die Grundillusion des Lebens, die es zu durchschauen gilt. Die Lösung liegt im Hinspüren und durchschauen dieser Illusion. „Schau nicht auf das Scheitern in der Vergangenheit, sondern auf die Echtheit deiner tiefsten Sehnsüchte…letztlich ist die tiefste Motivation aufzuhören die Erkenntnis, daß hinter allen negativen Gefühlen über dich selbst ein Kern steckt, ein natürlicher Seinszustand, in dem du gut bist, so wie du bist.“
Im Grunde ist dieses Buch eine Art positiver Gehirnwäsche. Es zeigt auf alle möglichen Arten auf, wie diese negative Identität unser Leben prägt, dass es aber die Möglichkeit gibt diese Illusion zu durchschauen und sich aus den automatischen negativen Reaktionen und Gedanken zu befreien. „Erwarte aber nicht, diesen Mechanismus sofort durchbrechen zu können, nun, da du ihn kennst. Dies gilt es erst zu üben. Allmählich gelingt es dir dann immer öfter, den ersten Gedanken sogleich zu erkennen und ihn einfach vorbeigehen zu lassen, ohne Energie an ihn zu verschwenden.“ Kurz gesagt, es geht darum den Entschluss zu fassen aufzuhören mit der Sucht, die Illusion deines Schlechtseins zu durchschauen, es mit dir auszuhalten ohne etwas zuzudecken und das zu üben und zu üben und zu üben.

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