Psychosomatik – ein irreführender Begriff

Herzförmiger Stein

In diesem Blog möchte ich über Fragen und Themen aus dem weiteren Umfeld meiner Arbeit reflektieren, d.h. es wird hier sowohl um praktische Fragen zur Behandlung gehen wie auch um Themen, die die Grundlagen und Philosophie unserer Arbeit betreffen.

Die Thematik der Psychosomatischen Diagnostik

Ich möchte mit dem Thema „Psychosomatik – ein irreführender Begriff“ beginnen.

Unsere westliche Medizin basiert auf der klassischen Zweiteilung von Psyche und Soma. In den Bereich der Psyche (griechisch „Atem, Hauch“) fällt alles, was sich nicht genau messen lässt, also unser ganzes Denken und Fühlen, in den Bereich Soma (griechisch „Körper“) alles, was sich auf der körperlichen Ebene zeigt. Nun ist die Medizin auch nicht stehengeblieben und in den letzten Jahrzehnten hat sich das Gebiet der Psychosomatik stark entwickelt. Das ist im Kontext der Medizingeschichte mit Sicherheit eine positive Entwicklung. Bezogen jedoch auf ein ganzheitliches Denken ist der Begriff nicht unproblematisch, denn er suggeriert eine grundsätzliche „Zweiheit“. Als ob Psyche und Soma zwei unterschiedliche Ebenen wären, die man getrennt (wie es die Schulmedizin traditionellerweise macht) oder zusammen (wie es die psychosomatische Medizin macht) behandeln kann. Ich möchte meine Gedanken zu diesem Thema nicht als der Weisheit letzten Schluss hinstellen, aber aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Wenn in meinem Denken und Wahrnehmen Psyche und Soma eine untrennbare Einheit darstellen, hat das einen immens positiven Einfluss auf den Kontakt mit dem Klienten. Ein wirklich ganzheitliches Denken sieht Gewebe, Organe, Organismus, Psyche und Seele als ein unendlich komplexes dynamisches Netzwerk, das mit den schöpferischen Kräften, die uns hervorgebracht haben in untrennbarer Verbindung steht.

Die Vorstellung des Menschen als einer untrennbaren Einheit von Psyche, Körper und den Ebenen, die über das individuelle Sein hinausgehen, ermöglicht eine tiefere Art des Kontakts. Es ist eine Einladung an die selbstregulativen Kräfte des Klienten in einer Rückverbindung mit größeren Kräften ihre Arbeit zu tun.

2 Kommentare

Birgit Meyer

Sind psychosomatische Beschwerden mit den Gelenken auch therapierbar? Eine Bekannte litt sehr lange unter starken Kniebeschwerden, es konnten jedoch keine physischen Ursachen gefunden.

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Filiz M.

Hi Wolfgang,
vielen Dank für deine Sicht auf dieses Thema.
„Psychosomatik“ ist immer gern die Reaktion der Ärzte, wenn sie mit ihrem Latein am Ende sind.
Vielleicht sollte man den Menschen einfach als das sehen was er ist: eine sehr komplexe Einheit.

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