Was sind eigentlich Hirnnerven?

Hirnnervenkerne

Das Problem des Begriffs
Benennungen in der Anatomie sind oft mißverständlich, der Begriff Hirnnerven ist dafür ein gutes Beispiel. Das Gehirn besteht ja schließlich aus 80 bis 100 Milliarden Nervenzellen, aber das sind –anatomisch gesehen – keine „Hirnnerven“ sondern Nerven des Gehirns. So weit, so verwirrend. Also kommen wir zur korrekten Definition laut DocCheckFlexikon: „Als Hirnnerven bezeichnet man Nerven, die nicht aus den Spinalnerven hervorgehen, sondern direkt aus spezialisierten Nervenzellansammlungen entspringen“. Das heißt Hirnnerven sind nicht die Nerven des Gehirns sondern paarige Nerven, die irgendetwas außerhalb des Gehirns mit dem Gehirn selbst verbinden. Und deshalb gehören sie nicht zum zentralen Nervensystem (das aus Gehirn und Rückenmark besteht) sondern zum peripheren Nervensystem (den Nerven, die sich außerhalb von Gehirn und Rückenmark befinden und diese mit dem Gehirn verbinden).

Systematisierung der Hirnnerven und der Hirnnerv 0
Ende des 18. Jahrhunderts wurden die 12 Hirnnerven erstmals systematisch beschrieben und zwar von oben nach unten. Erst am Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckte man ein weiteres Hirnnervenpaar beim Menschen (bei anderen Tieren hatte man es schon früher entdeckt), das sich oberhalb des 1. Hirnnervs befand und den man dann, um die Einteilung nicht verändern zu müssen als Hirnnerv 0 bezeichnete. Dieser Hirnnerv 0 ist bis heute am wenigsten erforscht. Er hat mit der Wahrnehmung von Pheromonen zu tun, scheint also eine gewisse Bedeutung für die geruchsmäßige Wahrnehmung potentieller Sexualpartner zu haben. In Zeiten massiven Gebrauchs von Deos wird diese unbewußte Wahrnehmungsebene wahrscheinlich immer unwichtiger, da wir eher das Deodorant als den wirklichen Geruch eines anderen Menschen wahrnehmen.

Die wchtigsten Funktionen
Und nun erst mal ein grober Überblick über die sogenannten Hirnnerven. Der 1. Hirnnerv ist der Riechnerv, er befindet sich auf der Höhe der Nasenwurzel. Der 2. Hirnnerv ist der Sehnerv, er verbindet die Augen mit dem Gehirn. Im Unterschied zu den anderen Hirnnerven sind diese beiden nicht mit dem Stammhirn verbunden. Die Hirnnerven 3,4 und 6 haben die Aufgabe die Muskeln der Augen zu steuern. Der 5. Hirnnerv, der Trigeminus ist für die Sensibilität des Gesichts und für die Steuerung der Kaumuskulatur zuständig. Der 7. Hirnnerv, der Facialis, steuert die mimische Muskulatur und bringt Geschmacksinformation zum Gehirn. Der 8. Hirnnerv ist für Hören und Gleichgewicht zuständig. Der 9. Hirnnerv ermöglicht Schlucken und zusammen mit dem 7. die Übertragung von Geschmacksinformation. Der 10. ist der berühmte Nervus Vagus, der in Verbindung mit fast allen Organen des Körpers steht. Der 11. Hirnnerv steuert die Nacken- und die Kopfwendermuskulatur und der 12. Hirnnerv steuert die Bewegung der Zunge.
Wenn man sich das Ganze aus der Perspektive der Funktion anschaut, bedeutet das: Ohne unsere Hirnnerven könnten wir nicht sehen, nicht hören, nicht riechen, nicht schmecken, nicht schlucken, den Kopf nicht bewegen und nichts mit unserem Gesicht ausdrücken. Zudem würde die ganze vagusgesteuerte Kommunikation zwischen Gehirn und Körper nicht funktionieren. Oder anders gesagt: die Hirnnerven verbinden uns mit der Außenwelt und dem eigenen Körper.

Fortsetzung folgt.

 

 

 

 

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