Sprache in der craniosacralen Behandlung

Gehirnmodell

Die meisten craniosacralen Behandlungen finden in der Stille statt. Und ohne Zweifel ist das Eintauchen in einen Raum von Stille eine der herausragenden Qualitäten unserer Arbeit.
Andererseits gibt es Situationen, in denen der Einsatz von Sprache während der Behandlung sinn- und wertvoll ist. Wichtig ist das sprachliche In-Beziehung-Sein des Behandlers auf jeden Fall bei traumatisierten Klienten. Dadurch kann er verhindern, dass der Klient abdriftet in eine Erinnerung des traumatischen Erlebens. Aber auch in ganz „normalen“ Behandlungprozessen kann Sprache zum Einsatz kommen. Dabei gelten dieselben Regeln wie in der Hypnotherapie. Eine hervorragende Quelle der hypnotherapeutischen Sprachregeln findet sich im sogenannten Milton-Modell. Die beiden Begründer des NLP, Richard Bandler und John Grinder haben in diesem Modell die die wichtigsten Sprachmuster des Hypnotherapeuten Milton Erikson zusammengestellt.
Das hypnotherapeutische Sprechen richtet sich vor allem an das Unterbewusstsein des Klienten. Während in der normalen Kommunikation meist ein präziser Sprachgebrauch sinnvoll ist, gilt für die hypnotherapeutische Sprache das Gegenteil: die verwendete Sprache muss vage sein, so dass der Klient angeregt wird seine eigenen Assoziationen zu erzeugen. Zum Beispiel dadurch, dass man bei den Sätzen das Objekt weglässt: „Nach jedem Wort von mir kannst du mehr und mehr wahrnehmen“. Diese Aussage fokussiert die Aufmerksamkeit des Klienten dahingehend, dass er das, was er gerade in seinem inneren Erleben wahrnimmt stärker wahrnimmt, ohne dass der Behandler wissen muss um was es sich handelt.
Ein anderes Beispiel: „Mit jedem Atemzug kannst du dich mehr und mehr entspannen“. Der Behandler benutzt hier Worte, die eine Ursache-Wirkung-Beziehung implizieren zwischen etwas, was der Fall ist (die Tatsache des Atmens) und etwas anderem, was der Behandler erreichen möchte (dass der Klient sich entspannt).
Wichtig sind auch sogenannte „Weichmacher“ in der Sprache. Durch Worte wie „vielleicht“, „möglicherweise“ und „eventuell“ kann das Unterbewusstsein des Klienten selbst entscheiden, ob es dem Sprecher folgen möchte. „Vielleicht magst du dich jetzt an ein Erlebnis erinnern, in dem du dich richtig klar und kraftvoll gefühlt hast“, das ist eine Einladung mit den eigenen Ressourcen in Kontakt zu treten und keine Anweisung.
Und die sprachliche Intervention, mit der ich die besten Erfahrungen gemacht habe und die ich in Behandlungen am häufigsten verwende lautet: „Etwas in dir weiß wie das geht“. Egal an welchem Thema ich arbeite, dieser Satz entlastet den Klienten dahingehend, dass sein „Ich“ etwas gar nicht wissen muss“, weil es reicht, dass etwas in ihm unterhalb seiner Bewusstseinssschwelle es ja weiß. Und dadurch fällt es ihm leichter seine gedanklichen Bemühungen loszulassen und zu vertrauen, dass das Richtige geschieht.

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